Was dich davon abhält, alleine zu reisen
(& wie du es doch schaffst)

Alleine zu reisen kann unheimlich bereichernd sein. Was dir eine solche Reise für Möglichkeiten bietet, habe ich hier für dich zusammengefasst.

Vielleicht geht es dir aber so wie vielen anderen Menschen: du würdest ja so gerne mal alleine verreisen, traust dich aber (noch) nicht so recht. Im folgenden Artikel habe ich mir einige häufige Befürchtungen mal genauer angeschaut – und zeige dir, wie du sie am besten überwinden kannst.

Chronische Erkrankungen als Hindernisgrund, alleine zu reisen, habe ich in diesem Artikel nicht aufgeführt. Das Thema soll in einem anderen Artikel behandelt werden.


Angst vor Einsamkeit

Das ist wohl einer der häufigsten Gründe, weshalb jemand nicht alleine losziehen möchte. Dabei kann man noch unterscheiden zwischen der allgemeinen Angst, alleine zu sein, also nur mit dir selbst und mit deinen Gedanken und Gefühlen – das kann nicht jeder und will oft erst erlernt werden – und der davor, keinen sozialen Anschluss zu finden.

Für den ersten Fall hast du zwei Optionen: du siehst die Reise als eine Gelegenheit zu lernen, besser alleine zu sein, dir selber zu genügen und dich nicht ständig durch etwas abzulenken. Mit ruhigem Geist einfach nur alleine mit dir selbst sein zu können, ist sehr erstrebenswert, jedoch etwas, das man oft erst lernen muss. Wenn du dabei kein gutes Gefühl hast, du also ernsthafte Schwierigkeiten hast, alleine zu sein, solltest du dich diesbezüglich vor der Reise unbedingt darauf vorbereiten (eine Möglichkeit hierzu wäre eine Therapie)!

Dabei wären wir auch schon bei der zweiten Möglichkeit, mit dem Alleinsein umzugehen: Plane Aktivitäten, nimm Bücher, Hörbücher, Musik, deinen Laptop mit. So wirst du dich nicht langweilen.

Falls du eher befürchtest, keinen Anschluss zu finden, kann ich dich beruhigen: nirgendwo ist es so einfach, neue Menschen kennenzulernen, wie auf Reisen! Dabei musst du nicht einmal besonders extrovertiert sein. Auf Menschen zuzugehen und eine gewisse Offenheit ihnen gegenüber ist allerdings schon nötig. Möglichkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen, gibt es zur Genüge. Couchsurfing und organisierte Stadtführungen bieten dabei das größte Potenzial, schnell aus Fremden gute Bekannte werden zu lassen und gemeinsame Unternehmungen zu machen. Bist du mit deinem Hund unterwegs, findest du auf Reisen stets Hundefreunde, die dich auf der Straße ansprechen, das weiß ich aus eigener Erfahrung – und dabei ist es völlig egal, ob ihr eine gemeinsame Sprache sprecht! Bist du Vegetarier, kunstinteressiert, homosexuell, möchtest vor Ort die Landessprache lernen, oder oder oder… suche Orte auf, an denen sich Gleichgesinnte aufhalten (dem Internet sei Dank einfach wie nie zuvor!), und du wirst es immer relativ leicht haben, Personen kennenzulernen und in ein Gespräch zu verwickeln.

Das am einfachsten Menschen verbindende Element bzw. Gesprächsthema möchte ich dir nicht vorenthalten: das Reisen selbst! Fängt man erst einmal an, sich gegenseitig ernsthaft interessiert darüber auszutauschen, wo man schon gewesen ist und was man wo erlebt hat, dann hat man in der Regel theoretisch genug Gesprächsstoff für den restlichen Urlaub und eines ist sicher: es wird garantiert niemals langweilig!


Was Andere denken (könnten)
Es ist immer wieder erstaunlich, was in den Köpfen anderer Menschen so für Gedanken und Vorstellungen existieren.
„Was sagt denn dein Mann/deine Freundin dazu, dass du alleine verreist?“
„Der/die Arme hat wohl keine Freunde, muss halt leider alleine in den Urlaub“ (sagt deine Freundin mitleidig, die selbst nur Familienreisen kennt)


Ob in deinem Fall Bekannte oder gar Unbekannte dir tatsächlich dumme Fragen stellen, oder du lediglich befürchtest, was sie über dich denken könnten:
Reisen ist so unglaublich bereichernd, dass dir die Meinung der Anderen irgendwann relativ egal ist. Denn unterwegs lernst du andere Reisende kennen und die sind viel mehr an dir und deinen (Reise-)Geschichten, an dir als Person interessiert, denn daran, sich ein Urteil über deinen Reisestil zu bilden.

Vielleicht kannst du auch eher die Leute bemitleiden, die Aussagen wie die obigen machen, denn sie schließen von sich auf Andere und offenbaren damit lediglich, dass sie noch niemals in den Genuss einer Soloreise gekommen sind. Nur weil vielleicht ihr Partner sie nicht alleine verreisen lässt (vielleicht würde er/sie es aber sehr wohl, wenn das Thema mal angesprochen würde), bedeutet das nicht, dass das „normal und richtig“ ist, alleine zu reisen hingegen irgendwie „falsch und komisch“ wäre.
Mach die Grenzen Anderer nicht zu deinen.


Dir fehlt der passende Reisepartner

Wartest du darauf, bis du nicht mehr Single bist, um endlich auch einen Reisepartner zu haben? Deine beste Freundin konnte in den letzten 3 Jahren aus verschiedenen Gründen nicht zur selben Zeit Urlaub nehmen wie du, und du bist deshalb auf Balkonien geblieben?

Warte nicht länger, bis die „richtige Zeit“ oder die „richtige“ Person endlich da ist: fahr los, flieg los, lauf los. Nutze die Gelegenheit zu reisen, wann sie sich dir bietet und mache dies nicht davon abhängig, ob dich jemand begleitet. Ihr könnt zu einem späteren Zeitpunkt immer noch gemeinsam Urlaub machen.


Angst vor Übergriffen

Ist man mindestens zu zweit, fühlt man sich in der Regel sicherer als wenn man alleine ist, noch dazu in einer fremden Umgebung.

Ich rate stets dazu, auf Reisen die gleiche Vorsicht walten zu lassen, wie du es daheim auch tust. Mein gesunder Menschenverstand, das Beobachten dessen, was um mich herum passiert, gepaart mit einer Portion Misstrauen, die ich je nach Situation unterschiedlich dosiere, haben mich beim Reisen bisher immer genauso sicher oder unsicher fühlen lassen, wie in einer vergleichbaren Situation zuhause. Länder- bzw. kulturspezifische Besonderheiten berücksichtige ich dabei ebenfalls. Wenn ich also zuhause nachts am Hauptbahnhof nicht im knappen Kleid herumlaufe, tue ich das im Ausland, insbesondere wenn ich alleine bin, erst recht nicht. Auch nicht, wenn schwüle 35 Grad herrschen.

Aus karmischer Sicht nimmt man zudem an, dass man entweder die Bedingungen dafür geschaffen hat, dass etwas passiert, oder eben nicht, und es einen genauso gut zuhause „erwischen“ kann.

Reise ich in ein mir noch unbekanntes Land, beachte ich außerdem die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.
Diese werden nochmals unterteilt in weltweite und länderspezifische Sicherheitshinweise. Beachte hierbei, dass in praktisch jedem Land z.B. auf die Gefahr vor Taschendieben in Menschenansammlungen gewarnt wird. Das meinte ich eben mit der Vorsicht, die wir zuhause ohnehin walten lassen. Es ist quasi ein weltweiter, länderübergreifender Sicherheitshinweis und nicht unbedingt ein Indiz dafür, dass diese Gefahr in dem spezifischen Land besonders hoch wäre.


Angst vor Überforderung
Was, wenn dir alles zu viel wird? Du mal nicht weißt, wie du dich verhalten sollst, oder dein Englisch plötzlich versagt? Neigst du gar dazu, dir stets das worst-case-Szenario auszumalen?

Erstens: mache dir einen Plan. Überlege, welche Situationen, in die du realistischerweise geraten könntest, und die dir am meisten Unbehagen bereiten, auftreten können. Überlege dir dann verschiedene Wege, wie du sie lösen könntest. Es geht nicht darum, DIE korrekte Lösung zu finden, sondern darum, dass du das Gefühl bekommst, dass du diese Situationen meistern können wirst (und wie).



Zweitens: du kannst nicht alles planen. Du wirst früher oder später in eine Situation geraten, die du, oh Wunder, wunderbar alleine meistern wirst, obwohl du dir das vorher nie zugetraut hättest. Wenn häufiges und/oder langes Reisen dich eines lehrt, dann das.

Drittens: Kommunikation ist King. Wenn du etwas brauchst, frage nach. In der Regel wird man dir schnell und gerne weiterhelfen, ansonsten frag einfach ein paar Leute mehr. Dir fällt ein englisches Wort partout nicht ein? Hab ein Blatt Papier und einen Stift dabei und zeichne das, was du meinst. Ein Bilderwörterbuch kann hier auch gute Dienste leisten. Der wohl häufigste Weg, sich zu verständigen: buchstäblich mit Händen und Füßen kommunizieren.

Lies hierzu auch mein kostenloses E-Book „Reisestress – wie du ihn vermeidest und endlich entspannter reist“. Melde dich hierzu einfach für meinen Newsletter an und das E-Book kommt nach nur wenigen Klicks in dein Postfach geflogen.


Du möchtest jemand Vertrautes dabei haben

Reisen bietet dir die einzigartige Möglichkeit, deinen Horizont zu erweitern, Vertrautes bewusst für eine Weile loszulassen. Je mehr du dich auf Neues einlässt, desto vielfältiger die Impulse für dein persönliches Wachstum. Jemand Vertrautes bei einer Reise ins Unbekannte dabei zu haben, bedeutet, etwas zu haben, woran du dich orientieren kannst.

Alternativ kannst du aber auch deine Lieblingsmusik mitnehmen, ein Buch deines Lieblingsautors, das Gewürz, das für dich in keinem Gericht fehlen darf. Deine Lieblingsdecke, deinen Glücksbringer oder den Lieblingspullover. Nimm etwas mit, was dir wichtig ist oder womit du dich besonders wohl fühlst. Es muss nicht gleich ein ganzer Mensch sein ;-)


Mein Partner / meine Familie ist dagegen

Es kann verschiedene Gründe geben, warum dein Partner oder deine Familie etwas dagegen haben, dass du alleine verreist.

So kann z.B. Eifersucht eine Rolle spielen. Vertrauen ist die Basis jeder Beziehung. Vertraut dir also dein Partner grundsätzlich und hast du lediglich Bedenken, er oder sie könnte deine Soloreise nicht so gut finden, dann sprich ihn/sie einfach darauf an. Denn, so viel ist klar, Kommunikation ist der Schlüssel zu einer langfristig erfüllenden Partnerschaft! Nenne ihm/ihr die Gründe, weshalb du gerne mal alleine verreisen möchtest und gehe auch den einen oder anderen Kompromiss ein, wenn es darum geht, dich zuhause mal zu melden. Sofern das nicht eindeutig nach Kontrolle „riecht“, finde ich, ist das ein durchaus faires Zugeständnis.

Ist es um das Vertrauen zwischen dir und deinem Partner eher nicht so gut bestellt, macht es das Thema alleine Reisen nun auch nicht gerade besser. Ihr werdet nicht drum 'rum kommen, euch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Ursachen für mangelndes Vertrauen können vielfältig und komplex sein, weshalb hier nicht weiter darauf eingegangen werden kann.

Die Angst, dich alleine losziehen zu lassen, kann aber tatsächlich auch einfach nur Angst sein. Nämlich, dass dir etwas passiert und du niemanden hast, der dir helfen könnte. Hierzu kann ich dir Folgendes sagen:
Vorab: Ich kenne das Gefühl gut, wenn überängstliche Angehörige die Urlaubsfreude „ein wenig“ trüben.

Dann gehe Kompromisse ein, die dir nicht weh tun. Du möchtest dich nur melden, wenn dir danach ist? Melde dich häufiger. Alle zwei Tage z.B.. Ich weiß selbst, wie sehr man sich dagegen wehren kann. Eine kurze SMS, dass es dir gut geht, fertig. Diese Pflicht erledige ich dann mal eben und wende mich dann wieder dem Hier und Jetzt zu. Wenn ich ehrlich bin, meckert mein Ego einmal kurz, aber dann ist auch schnell wieder gut.
Es hat Reise gegeben, bei denen ich von vornherein gesagt habe, dass ich mich nicht so oft werde melden können. Z.B. als ich alleine durch Schwedens Wildnis gewandert bin und daher mit meinem Handyakku tatsächlich haushalten musste. Das war dann in Ordnung. Was hätte ich auch anderes machen können.

Fokussiere das, was du machen möchtest. Sei dir im Klaren darüber, wie wichtig dir diese Reise ist. Lege deine Beweggründe dar, erkläre, was dir die Reise bedeutet. Es kann nicht oft genug betont werden, wie wichtig es ist, miteinander zu reden. Zeige Verständnis für die Angst des Anderen (wenn du sie irgendwo auch wirklich verstehen kannst, umso aufrichtiger deine Reaktion). Bedanke dich dafür, dass er/sie sich so um dich sorgt.

Es wird vielleicht immer jemanden geben, der dagegen ist. Ich weiß genau, dass für JEDE Reise (sogar ob ich nun alleine reise, oder mit meinem Partner) bestimmte Familienangehörige immer an meiner/unserer Reise etwas auszusetzen haben werden. Schließlich ist es ja nirgendwo so sicher, wie in Deutschland, draußen zelten ist sowieso total gefährlich, und und und. Möchtest du unbedingt reisen und bist von dem Okay des Anderen nicht abhängig, dann tue es! Reisen wird dich ungemein bereichern. Lass dich von den Ängsten Anderer nicht davon abhalten.


Ich bin eine Frau

Während Männern durchaus zugetraut wird, alleine durch die Welt zu reisen, sieht es da bei Frauen schon ganz anders aus. Und das selbst in de Köpfen westeuropäisch geprägter Menschen. Worum geht es bei dieser Frage eigentlich? Es kann doch nur um das Thema Sicherheit gehen, denn alles Andere wäre mit dem Prinzip der Gleichbehandlung von Mann und Frau doch nun wirklich unvereinbar. Warum solltest du als Frau also weniger dazu befähigt sein, alleine zu reise? Zum Thema Sicherheit siehe Punkt 4 weiter oben.

Sollte jemand dir einzureden versuchen, du könntest als Frau nicht alleine verreisen „weil du eben eine Frau bist“, kannst du denjenigen ja fragen, ob er auch meint, Frauen gehörten an den Herd und hätten sich um nix als Haushalt und Kindererziehung zu kümmern. Im Ernst, wer ein solches Frauenbild hat mit den entsprechenden Glaubenssätzen, von dem halte Abstand.
Es sind offene und aufgeklärte Menschen wie du, die reisen und die Welt erkunden wollen – lass dich bloß nicht von derartigen Glaubenssätzen Anderer davon abhalten! Im Übrigen reisen unzählige Frauen alleine. Das Internet ist voll mit solchen Beispielen.


Ich habe niemanden, der auf mein Kind/Haustier aufpasst

Wenn du von niemandem abhängig sein möchtest oder aber tatsächlich niemanden finden kannst, dem du Kind oder Haustier für eine Weile anvertrauen kannst, bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als es mit auf Reise zu nehmen. Mittlerweile findest du im Internet Berichte und Seiten vieler reisender Familien, aber auch Alleinerziehender, die sich dieser Herausforderung stellen. Ebenso wie von Personen, die mit ihrem Hund um die Welt reisen. Ich selbst habe eine einmonatige Interrail-Tour mit meiner Hündin gemacht, alleine, als Frau. Das hieß konkret: uns völlig unbekannte, mittel-osteuropäische Länder mit dem Zug zu erkunden und dabei fast jede Nacht bei einer neuen, bis dahin fremden Person zu übernachten (über Couchsurfing). Es erfordert einiges mehr an Planung, aber es ist definitiv machbar. In unserem Fall hat alles mehr als gut geklappt.

Für andere Haustiere, außer einem Hund, würde ich hingegen eine (bezahlte) Betreuung zuhause empfehlen.



Mich interessiert:

was hält DICH noch vom alleine Reisen ab?

'Rein damit in die Kommentare!


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